AUS DER ASCHE, AUS DEM STAUB von SPORT erscheint am 27.1.2012 bei STRANGE WAYS
credits
released 27 January 2012
SPORT sind MARTIN BOETERS, JAN-EIKE MICHAELIS, FELIX MÜLLER & CHRISTIAN SMUKAL
produziert von FELIX MÜLLER
aufgenommen von TORSTEN OTTO, GREGOR HENNIG, FELIX MÜLLER, TOBIAS SIEBERT & SIMON FRONTZEK im le châtelet hamburg, grüner bereich & radio buellebrueck studio berlin
gemischt von TOBIAS SIEBERT im radiobuellebrueck.com - vertreten von LOOB
mastering von CHRIS VON RAUTENKRANZ im soundgarden hamburg
artwork von DANIELA MILOSEVIC & REBECCA BUTZLAFF
coverfotografie von MICHAEL KOHLS bandfotografie von DAVID MAUPILÉ
der erste schritt, der zweite schritt
da sind noch keine spuren in dem schnee
ich atme ein, du atmest aus
sieh wie der wind den hauch vor deinem mund verweht
und ob das eis uns trägt wissen wir erst
wenn wir es wagen drauf zu gehen
uns bleiben die versprechen nur
die wir uns selber geben
wohin es uns verschlägt, wohin es führt
es bleiben fragen offen stehen
und hinterher sehen wir die spuren
so führen wie unser leben
bei jedem schritt können wir es spüren
wie dünn die decke ist die übers wasser führt
es knirscht und knackt, es schwingt und vibriert
wir haben uns entschieden es zu riskieren
und ob das eis uns trägt wissen wir erst
wenn wir es wagen drauf zu gehen
uns bleiben die versprechen nur
die wir uns selber geben
wohin es uns verschlägt, wohin es führt
es bleiben fragen offen stehen
und hinterher sehen wir die spuren
so führen wie unser leben
und ob das eis uns trägt wissen wir erst
wenn wir es wagen drauf zu gehen
uns bleiben die versprechen nur
die wir uns selber geben
und wir müssen dran glauben
wir müssen es wollen dass es gelingt
damit wir hinüberkommen
und das eis uns nicht verschlingt
Track Name: WER FÜHRT DEIN LEBEN (Single Edit)
mach deine augen auf und komm erstmal zu dir
es steht ein nagelneuer morgen vor der tür
du fühlst dich jung so wie seit jahren schon nicht mehr
und weißt zwar nicht wonach du suchst doch hast du hier nichts zu verlieren
ohren zu und durch den presslufthammerlärm
sie haben gleich nebenan begonnen zu entkernen
das eis wird dünn für dich, du kannst das zittern spüren
die dinge ändern sich
okay - bloß wohin?
und du fragst dich
wer führt dein leben wenn du selbst dich nicht drum scherst
wenn du dich treiben lässt wohin es dich grad führt
und alles bleiben lässt so wie es grad passiert
nur ab und zu blickst du zur uhr empor und dabei denkst du
es fühlt sich eher so an als wär es umgekehrt
als ob dein leben dich durch seine tage führt
und irgendwann hält es an
und wirft dich raus und ruft zurück
ich wünsch dir noch viel glück
du gehst durch straßen die dir immer fremder werden
glänzende fassaden ohne schimmer ohne leben
du siehst dein spiegelbild entgeistert darin stehen
und sagst zu dir: was haben wir hier noch zu verlieren?
und fragst dich
wer führt dein leben wenn du selbst dich nicht drum scherst
wenn du dich treiben lässt wohin es dich grad führt
und alles bleiben lässt so wie es grad passiert
nur ab und zu blickst du zur uhr empor und dabei denkst du
es fühlt sich eher so an als wär es umgekehrt
als ob dein leben dich durch seine tage führt
und irgendwann hält es an
und lässt dich irgendwo zurück
dann brauchst du glück
du brauchst viel glück
sonst kriegst du es nicht zurück
du kriegst es nicht zurück
halt dein leben an
und vertrau nicht auf dein glück
und hol es dir zurück
Track Name: AUS DER ASCHE, AUS DEM STAUB (Album Teaser)
Im fünfzehnten Jahr ihres Bestehens legen Sport aus Hamburg ihre vierte Langspielplatte vor. Und es ist mit Sicherheit auch jene bedächtige Taktung, die "Aus der Asche, aus dem Staub" in ihrem so eigenen Charakter, ihrer ganzen Pracht erblühen lässt.
Anders als beim kompakt-rockig eingespielten Vorgänger "Unter den Wolken" wurden die einzelnen Spuren - auch bedingt durch veränderte Lebenssituationen und Umzüge - in den verschiedensten Studios und Proberäumen von Hamburg bis Berlin aufgenommen. Es wurde aufgebaut, geschichtet, austariert und feingeschliffen. Unüberhörbar ist dabei dennoch, wie sich Sport über die Jahre hinweg eingespielt haben. Der einzige Besetzungswechsel, den Felix Müller, Christian Smukal und Martin Boeters über sich ergehen lassen mussten, war der Eintritt von Jan-Eike Michaelis, der zur letzten Tour die Band vom ewigen Trio zum Quartett erweiterte.
"Aus der Asche, aus dem Staub" ist ein vielfältiges, dynamisches Album geworden, dessen Songs in verschiedenste Richtungen weisen. Es gibt melancholische Arrangements, die den Hang zum Hymnischen nicht verhehlen, niemals aber in rockistischer Hybris oder kitschverklebtem Pathos verenden. Wann immer es nötig ist, werden - wie z. B. in "Der Tod singt den Blues" - aber auch die schwereren Gitarrengeschütze aus dem Schuppen geschoben. Mitunter ziehen Sport das Tempo weiter an denn je, so beim treibenden Eröffnungsstück "Wer führt dein Leben" oder dem Punk-lastigen "Sattelt die Hühner, wir reiten nach El Paso".
Doch auch in die entgegengesetze Richtung wird weitergedacht. So entfaltet das ruhig und fragil beginnende "Dünnes Eis" mit der Gastsängerin Masha Qrella und Simon Frontzek am Piano im Verlauf des Stückes geradezu epische Kraft. Die flächigen Gitarrensounds und räumlich-atmosphärischen Texturen, stets getragen von der uhrwerkgenauen, feinsinnig akzentuierten Rhythmusgruppe, sie ziehen sich prägend durch die ganze Platte. Am weitesten in diese Richtung weist wohl "Eldorado ruft uns", dessen freistehende Akkorde die besungene Ferne mit wüstenrockiger Anmutung herbeirufen. Es dürfte dabei eines der ungewöhnlichsten Stücke des Albums sein, frisst sich aber ebenso schamlos ins Gebälk wie der Rest.
Auffällig ist die textliche Ausrichtung von "Aus der Asche, aus dem Staub" - der Titel ist programmatisch für den thematischen Überbau:
Kaum ein Stück kommt ohne die vielschichtige Vokabel "Leben" aus, jenem Phänomen, dem man ja nun gegenüberstehen kann, wie man möchte - man kommt Zeit seines Daseins nunmal nicht ohne es aus. Man kann sich mit einem solchen konzeptuellen Rahmen durchaus schnell verzetteln oder verheben, doch Müller gibt eher den beruhigten Beobachter, nicht den enttäuschten oder entgeisterten Kommentator. Wie eindringlich sich das Album mit den Verschiebungen und der nie enden wollenden Wirrsal des Älterwerdens beschäftigt, wird beispielsweise bei "Wir wollten nur mal hören" deutlich, dem meines Wissens ersten Stück der Musikgeschichte, das sich mit der seltsamen Situation auseinandersetzt, im Verhältnis zu den eigenen Eltern mehr und mehr die gestaltende Rolle spielen zu müssen. Weggehen, Weitermachen, Bleiben, Gehen - sicher auch von der eigenen Entwicklung geprägt behandelt jeder Text existenzielle Fragen, doch gepredigt oder belehrt wird kein einziges Mal.
Sind die letzten Akkorde von "Den Fluss hinab", jener tiefmelancholischen und dennoch nicht ansatzweise angestrengt wirkenden Abschlussnummer verklungen, bleibt ein gewichtiges und dennoch ungemein poppiges Album, oft dunkel und doch funkelnd und glänzend, das durchaus seinesgleichen sucht.